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Für schnellere Seefracht:
Tracking aus dem All.

37 Prozent des EU-Binnenhandels werden per See-Schifffahrt abgewickelt. Das ist umweltfreundlicher als der Transport per LKW. Der Anteil an Schiffsfracht könnte sogar noch steigen, wäre nur die Zollabwicklung weniger bürokratisch: Sie verzögert den Transport teils um Tage. Per LKW geht’s schneller.

© Openstreetmap

Ein Container mit Spielekonsolen fährt per Schiff von Antwerpen nach Teesport in England. Dabei verlässt das Schiff die 12-Meilen-Zone und gelangt in internationale Gewässer. Die gesamte Fracht muss beim Zoll aus der EU „abgemeldet“ werden, nur um in Teesport wieder beim Zoll angemeldet zu werden. Das ist der selbe Aufwand wie bei einem Container aus China.

Die Lösung: Der „Blue Belt“ (blauer Gürtel), ein einheitlicher europäischer Verkehrsraum für die Schifffahrt, der dieses Jahr eingeführt wird.

Mit Space-based AIS for Blue Belt werden Schiffe auf ihrem Seeweg auf Basis von AIS-Daten auf dem kompletten Weg getrackt (statt bisher nur in Küstennähe). So erfährt der Zoll mit Sicherheit, dass ein bestimmtes Schiff keinen Zwischenstopp in einem Nicht-EU-Land gemacht hat. Einer der Satelliten, die den Blue Belt ermöglichen: der deutsche AISat-1.

AIS in Aktion: In Küstennähe schon alltäglich.

© map taken from marinetraffic/www.marinetraffic.com

Bereits auf See „verzollt“:
Space-based AIS for Blue Belt

Woher weiß der Zoll, dass ein Schiff auf dem Weg von Belgien nach England keinen Abstecher nach Russland gemacht und dort Nicht-EU-Ware geladen hat?

© ESA

Zur Ortung und mit dem Ziel der Kollisionsvermeidung fahren größere Schiffe seit 2002 mit einem Schiffs-Identifizierungssystem – „Automatic Identification System (AIS)“. Es sendet im Maximalfall alle zwei Sekunden das eigene „Kennzeichen“, Position, Kurs und Geschwindigkeit an landbasierte Empfangsstationen sowie an andere Schiffe. Die Reichweite der Sender an Bord ist allerdings durch die Erdkrümmung auf 74 Kilometer begrenzt, weiter außerhalb auf hoher See bleibt das Schiff also von der AIS-Ortung ausgeschlossen. Zudem können die Sender sowie die Empfänger an Land nur wenige Schiffe zugleich orten.

Mit satellitenbasierten AIS-Transmittern lässt sich die Reichweite und Kapazität erheblich steigern. Kommerzielle Anbieter nutzen die Technologie bereits, allerdings nur für normales Tracking. In einem Feldversuch der ESA wurden die Daten der Satelliten und von 252 freiwilligen Test-Schiffen in Mittelmeer und Atlantik gesammelt, weiterverarbeitet, für die Zollbehörden aufbereitet und an diese gesendet.

AISat-1: Der deutsche Schiffs-Tracking-Satellit.

Um die Kapazität an AIS-Transmitter-Satelliten zu erhöhen, das Schiffstracking zu verbessern und damit die „Blue Belt“-Initiative zur schnelleren Zoll-Abwicklung zu unterstützen, wurde am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen der Nano-Satellit AISat-1 entwickelt.

© DLR

Er ist seit Juni 2014 im All. Der AISat-1 wiegt nur 14 Kilogramm, ist aber mit einer vier Meter langen Antenne in Helix-Form ausgestattet, die sich erst im All entfaltete – ein große technische Herausforderung, die zunächst bei Parabelflügen getestet wurde.

© DLR

Die Daten des AISat-1 werden neben dem Schiffstracking auch dafür verwendet, von Piraten entführte Schiffe zu orten, Notrufe aufzufangen und Schiffsrouten zu optimieren.

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