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Gegen die „Schaufensterkrankheit“

Weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Raucherbeine. Mit Technik aus der Weltraummedizin.

© Diamond_Images/fotolia.com

Raucher, über 50 Jahre alt, nicht mehr gut zu Fuß, kalte und blasse Beine – Diagnose Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), auch Schaufensterkrankheit oder Arterienverkalkung genannt. Durch das Rauchen bilden sich Ablagerungen in den Arterien, dadurch sind sie verengt, und die Durchblutung ist gestört. Im schlimmsten Fall wird aus dem Bein ein Raucherbein, das amputiert werden muss. pAVK-Patienten haben dazu im Schnitt 10 Jahre weniger Lebenserwartung, weil auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt.

Eine Therapie bei pAVK kommt aus der Weltraummedizin, entwickelt von EADS in Bremen, um Astronauten bei Kreislaufproblemen zu helfen, die in der Schwerelosigkeit auftreten:

Die intermittierende Vakuumtherapie (IVT) mit dem Vacumed-Gerät. Der Patient legt die Beine in eine Röhre, durch Unterdruck wird das Blut in die Beine gesaugt, dann muss das Herz auf der Erde kräftig pumpen, um das Blut aus den Beinen wieder herauszubekommen. Nach 6 Wochen (pro Woche jeweils 2 halbstündige, schmerzfreie Behandlungen), also 12 IVT-Liege-„Sitzungen“ werden die Blutgefäße in den Beinen nun besser mit Blut und Sauerstoff versorgt, das Gehen fällt wieder leichter und ist schmerzfrei, das Schlaganfall-Risiko sinkt dauerhaft – natürlich nur, wenn die Patienten mit dem Rauchen aufhören.

© Weyergans High Care AG

Sportler werden schneller fit: Ein Muskelfaserriss in der Wade bedeutet bei einem Fußballprofi normalerweise 6 Wochen Zwangspause. Mit Vacumed sind es nur 10 Tage.

© Jeanette Dietl/fotolia.com

Hilfe bei Berufskrankheiten: Tennisarm, Maushand oder Karpaltunnel-Syndrom können mit einem speziellen Vacumed-Arm-Gerät behandelt werden.

© Weyergans High Care AG

Therapie für viele Beinleiden: Auch bei Diabetikern oder Patienten mit Krampfadern (CVI) wird Vacumed eingesetzt.

© GordonGrant/fotolia.com

Schönere Beine: Auch bei Cellulite scheint die Therapie zu funktionieren. Die Wirkung ist allerdings noch nicht durch eine wissenschaftliche Studie belegt.

© Wikipedia/Lanzi

Kreislaufprobleme in der Umlaufbahn

Die Beine sind blass, der Kopf dagegen rot. Astronauten haben oft Durch­blutungs­störungen in der Schwerelosigkeit. Der Grund: Der Körper ist an die irdische Schwerkraft gewöhnt – und daran, dass das Blut gegen die Schwerkraft nach oben in den Kopf gepumpt werden muss. Und genau das geschieht im All auch: Wegen der fehlenden Schwerkraft gelangen dabei rund 2 Liter Flüssigkeit mehr in die obere Körperhälfte.

Nach einer gewissen Zeit gewöhnt sich der Blutkreislauf an die Schwerelosigkeit – das Herz pumpt nicht mehr so stark. Wenn man aber wieder zur Erde zurückkehrt, ist der Kreislauf darauf nicht mehr eingestellt und man wird schnell ohnmächtig. Besser ist es, wenn man für den Körper ein bisschen Schwerkraft simuliert.

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Die Lösung: Das Lower Body Negative Pressure Device (LBNP).

Den Körper dazu bringen, mehr Blut in die Beine zu pumpen, geht auch von außen. Mit einer Art Unterdruckhose, dem Lower Body Negative Pressure Device (LBNP). Seit den Sechzigerjahren wird an dieser Technik in Deutschland geforscht, zuerst am Institut für Raumfahrtmedizin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. In der Spacelab-Mission NEUROLAB (1998) wurde sie zuerst eingesetzt und danach für die ISS weiterentwickelt.

Das LBNP ist ein zusammenfaltbarer Zylinder, der den Unterkörper des Astronauten ab der Taille umschließt. Seitlich angebrachte luftdichte Reißverschlüsse erlauben den Zugang zu den Beinen, um Messgeräte anzubringen. So kann das Herz-Kreislauf-System gleichzeitig mit erforscht werden.

Durch Anlegen eines Unterdrucks im LBNP werden die Körperflüssigkeiten wie Blut und Lymphe von der oberen in die untere Körperhälfte transportiert. Dies stimuliert das Herz-Kreislauf-System zu höherer Pumpleistung.

Deutsche Technologie auf der ISS

Die LBNP war als deutscher Beitrag zur wissenschaftlichen Nutzung und zur Integration im US-Labor der Internationalen Raumstation (ISS) in Verbindung mit Messmodulen zur Erfassung von Herz-Kreislauf-Parametern in der Human Research Facility (HRF) gedacht.

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